INTERVIEWS

Dinslaken Rockt

Hallo zusammen.

Auf in´s Gefecht.

Mit wem hab ich´s denn jetzt genau zu tun?

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Mit dem kleinen Mann im Ohr, der die Band in ihren Bahnen lenkt.

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Dann mal direkt zur ersten richtigen Frage. Ihr seid beim Syls jetzt von Anfang an dabei. Na gut. Wenn man sich eure Vergangenheit mal zu Gemühte führt seid ihr bei allem schon von Anfang an dabei. Kein Schools out, keine Din-Tage und ähnliches wird von euch ausgelassen und das schon seit über 10 Jahren. Was bedeutet für euch denn jetzt das Syls insbesondere?

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Das Syls hat sich zu einem festen Bestandteil der Musikszene in Dinslaken und bis weit über die Grenzen hinaus entwickelt. Für uns ist es immer was ganz besonderes im Burgtheater zu spielen, da man nicht jeden Tag vor 1500 Leuten und mehr spielt. Man kann das Gefühl, welches man hat, wenn einem der ganze Laden entgegenschreit, vielleicht ganz gut mit einer gewonnenen Fußballmeisterschaft des Lieblingsclubs während man Sex hat vergleichen.

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Wenn man sich mal vor Augen führt wie lange es euch schon gibt, kann man euch ja schon als Dinslakener Urgesteine bezeichnen.
Da drängen sich ja etliche Fragen auf die man gerne stellen möchte. Mir fallen zwar nicht viele ein aber eine möchte ich euch dann doch stellen.

Wie schafft man es über eine so lange Zeit die Massen zu begeistern, sich selbst musikalisch wie auch menschlich treu zu bleiben und sich niemals zu trennen? Nahjut das waren jetzt drei Fragen in Einer aber egal. ;-)

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Urgestein klingt so alt, wir haben ja sehr früh angefangen, daher möchte ich eher erfahren sagen... Leute zu begeistern ist eigentlich gar nicht so schwer, man darf sich nicht zu sehr verstellen und sollte zudem genügend Selbstironie aufweisen. Dann muss man natürlich noch rocken wie die Sau und sehr gut aussehen. Zumindest besser als die anderen Bands, was ja in Dinslaken gar nicht so einfach ist, wenn man sich mal Trust God Simon anschaut, mmmhhhh.
Trennen tun wir uns nur nicht, weil wir noch nicht beim Punk im Pott und dem Force Attack Festival als Headliner gespielt haben. Außerdem muss man sich unsere Laufbahn als große Zeitlupe vorstellen. Einige Bands machen das was wir gemacht haben in einem halben Jahr durch. Dann kommt der Welthit und nach nem halben Jahr trennt sich die Band und macht Soloprojekte. Das dauert bei uns einfach alles so lange, dass wir uns nie trennen werden können, bevor wir sterben.

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Dann versuchen wir doch jetzt mal Profit aus eurer Erfahrung zu schlagen. Was könnt ihr den Bands empfehlen, die sich gerne in der Musikszene etablieren wollen? Ihr habt doch da bestimmt ein paar Ratschläge für aufstrebende Jungmusiker.

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Am Anfang ist es immer wichtig sein Programm zu üben und nochmals zu üben. Dann sollte man schnellstmöglich ein Konzert auf die Beine stellen und Werbung machen ohne Ende, um möglichst viele Leute davon zu überzeugen, dass man aus der Masse heraussticht. Und die Masse an neuen Bands ist groß.

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Wie können eurer Meinung nach Festivals wie das Syls, wo bewusst neue unverbrauchte Bands wie auch alteingesessene Musiker auf eine Bühne geschubst werden, die lokale Szene überhaupt unterstützen?

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Schwierige Frage. So ein Festival lebt von der Mischung. Es wäre quatsch, nur "unbekannte" Bands spielen zu lassen, da würde kaum einer kommen, außer die Kollegen. Wir haben schon mal vor 20 Leuten in einer 4000er Halle gezockt, das ist absoluter Humbug! Nur "bekanntere" Bands spielen zu lassen würde dem Gedanken Support your Local Szene widersprechen. Und wer will nicht auch mal neue Gesichter sehen?
Es ist also wichtig, eine ausgewogene Balance zu finden, bei der die neueren Bands vom Publikum der Älteren profitieren können. Dann ist der Gedanke des Syls mit Sicherheit noch lange aufrecht zu erhalten!

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Okay und jetzt ganz elegant mal ein kleiner Themawechsel. Tolle Überleitungen kriegt man bei solchen Emailinterviews eh nicht hin.

Stillos. Euer neues Album. tolle Scheibe. Erzählt mal was drüber.

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Man kann die CD als Endprodukt eines großen Planes sehen. Schließlich sind wir waschechte Visionäre. Wir haben uns vor mittlerweile fast anderthalb Jahren gefragt wo es hingehen soll mit der Band und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir gerne ein Album bei einer Plattenfirma rausbringen würden. Das wiederum würden wir nur schaffen, wenn wir eine qualitativ gute Aufnahme haben. Danach haben wir unser ganzes Geld zusammengeschmissen und sind zum Uwe nach Köln ins Studio gefahren und haben die CD aufgenommen. Die ungewohnt professionelle Arbeit hat wahnsinnigen Spaß gemacht und mit dem Ergebnis sind wir dann auf Labelsuche gegangen. Wir haben ne Mende Labels angeschrieben und uns letztendlich für Nix Gut entschieden. Das heißt unser Plan ist völlig unerwartet aufgegangen. Jetzt wolltest du bestimmt auch noch was über den Inhalt der CD hören, aber dafür muss man sie einfach hören.

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Gibt es entscheidende Unterschiede zwischen eurem neuen Album und euren bisherigen Veröffentlichungen (Volkspunk, Musik für kleine Mädchen) oder ist es im Prinzip nur eine Fortführung des Weges den ihr schon mit Volkspunk geebnet habt?

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Jetzt muss man ja doch noch was zum Inhalt sagen. Also, letztendlich ist die „StilLos!“ natürlich eine Fortführung des Weges, den wir zuvor gegangen sind. Aber der Weg hat uns schlicht und einfach und kitschig metaphorisch gesagt ein gutes Stück weiter gebracht.

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Dieses Album ist dazu noch auf einem nicht unbekannten Plattenlabel erschienen. Nix-Gut hat euch Obdach gewährt. Wie seid ihr dazu gekommmen?

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Siehe Oben

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Was hat sich denn geändert, seit ihr bei Nix-gut untergekommen seid? Könnt ihr euch nicht mehr retten vor Auftrittsangeboten? Wollen die Groupies jetzt heiraten anstatt nur Sex? Oder hat sich im Prinzip nichts geändert außer, dass eure CD jetzt nicht nur im Kreis Wesel die Runde macht?

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Letzteres trifft sehrwahrscheinlich eher zu, da die Groupies immer schon heiraten wollten. Allerdings merkt man die Unterstützung von einem so großen Label enorm. Bei den Konzerten, die wir immer noch größtenteils selbst organisieren (was sich aber hoffentlich im nächsten Jahr ändern wird, wir sind guter Dinge) ist es schon deutlich einfacher geworden irgendwo unterzukommen und vor allem auch mal da zu spielen wo man uns eigentlich gar nicht kennt. Dazu ist Nix Gut durch den Katalog und die eigene Merch-Produktion natürlich eine große Hilfe für eine Band.

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Dann schlagen wir jetzt nochmal den Bogen zurück zur lokalen Szene. Gerade ihr hattet ja genug Zeit euch ein Bild darüber zu machen. Gibt es etwas an der Dinslakener Musikszene was ihr besonders schätzt und anders herum, gibt es etwas was euch total auf den Zeiger geht und am besten mal geändert werden sollte? Ihr könnt auch mehrere Sachen aufzählen.

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Am Besten an der Dinslakener Musikszene finden wir, dass sich ständig alle zoffen. Insbesondere das Gästebuch zum Syls ist spitze. Es geht doch nix über Pluralismus. Der ist natürlich in besagtem Gästebuch sehr vulgär, aber es zeigt auch, dass es in Dinslaken eine sehr vielschichtige und streitbare, also aktive, Musikszene gibt. Um diese wird man ja auch weltweit beneidet. Zu beklagen gibt es aus unserer Sicht eigentlich nicht so viel. Nörgler gibt’s immer und perfekt wird auch nie alles sein, aber man kann sich im Großen und Ganzen glücklich schätzen, wenn man in Dinslaken Musik machen will. Das Publikum ist manchmal ein wenig zu anspruchsvoll, besonders in der Wahl der Konzertorte. Man ist halt zu verwöhnt. Zum Beispiel schafft es kaum ein Dinslakener mal, der einem im Burgtheater oder im ND die Bude einrennt, es bis in die musikalisch exzellent aufgestellte Stockumer Schule.

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Da ihr ja schon weit herum gekommen seid, könnt ihr bestimmt ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern und uns mitteilen, was andere Auftrittsorte ausmacht. Was machen andere besser oder schlechter als Dinslaken?

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Da wir ja eine Band sind, die ausschließlich aus intellektuellen künftigen Nobelpreisträgern besteht, steht für uns natürlich bei anderen Auftrittsorten die Kultur der jeweiligen Stadt im Vordergrund. Sprich, es ist einfach ne feine Sache, sich andere Städte anzuschauen, wir haben da mittlerweile eine Art Magnet, der uns immer in die absolut touristischsten Lokationen zieht. Ich möchte da nur unseren Rattenfängerweg oder die Bimmelbahn erwähnen, mal sehen, was da noch kommt (wir spielen schließlich dieses Jahr noch in Berlin). Man kann auf dieser Ebene natürlich nicht von besser oder schlechter als Dinslaken sprechen, es gibt Dörfer, da ist weniger los und sehr viele Städte, da ist mehr los.
Achso, abends sind dann ja auch noch Konzerte, wo man vor lauter „Fremden“ spielen kann, man lernt neue Leute kennen, betrinkt sich mit diesen die halbe/ganze Nacht. Was will man mehr.
Eines ist in Dinslaken und anderen Städten in der Umgebung mit Sicherheit am Konzertabend besser, man kann nachts noch Duschen und sich in ein gemachtes Bett legen. Aber das wird auch noch kommen, die Luxushotels dieser Welt können schonmal ihre Möbel und Fernseher anketten…

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Jetzt mal was anderes. Was können wir in den nächsten Jahren von Kreftich erwarten und was sind eure Pläne für die Zukunft?

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Da unser letzter Plan so grandios aufgegangen ist (siehe weiter oben), haben wir noch kein eindeutiges neues Ziel formuliert. Es ist aber mit Sicherheit ein Wunsch der ganzen Band, nächstes Jahr bei den großen Festivals wie Force Attack oder Punk im Pott mit zu spielen, mal sehen, ob das klappt. Dann sind wieder ein paar neue Songs im Anmarsch, die wir dann nach den ganzen kommenden Konzerten auch mal fertig machen wollen. In ganz naher Zukunft steht erstmal unsere 10 Jahres Feier an. Am 23.11.2007 haben wir Ausgelebt, Safety First und die Chefdenkern in den Jägerhof eingeladen. Da wir den Laden ordentlich voll bekommen wollen, muss natürlich die Werbetrommel gerührt werden. Also: „KOMMT ALLE VORBEI!!!“

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Wie jede andere Band auch habt ihr jetzt die Möglichkeit, nochmal alles zu sagen was euch noch auf der Zunge liegt. Ich bedanken mich für das Interview und sag dann mal, dass wir uns dann Ende August im Burtheater sehen.

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Was auf der Zunge liegt, seh ich gerade nicht, da ich mich ja, wie oben beschrieben, im Ohr befinde. Aber mir ist wichtig, dass sich die Bandmitglieder regelmäßig die Ohren waschen. Ich wünsche euch, der Band und allen anderen beteiligten viel Spaß beim Syls, es könnte ein unvergesslicher Abend werden! Vielen Dank an alle Organisatoren, die sich trotz Gegenwind aus den oberen Etagen etc. immer wieder für so ein Festival stark machen, Respekt! Danke auch und bis bald.